Dieser Weg wird kein leichter sein: Nachhaltige Mobilität in Darmstadt

Mobilität ist ein unverzichtbarer Faktor für das alltägliche Leben. Wir fahren zur Uni, zur Arbeit, mal schnell einen Freund besuchen oder wollen einfach nur die täglichen Einkäufe erledigen. Doch wie sieht es da eigentlich mit der Nachhaltigkeit aus? Die nachhaltige Mobilität in Darmstadt unter der Lupe.

Dieser Artikel entstand bereits in den Wochen vor der Corona-Krise. Da die Themen Mobilität und konkreter Klimaschutz in den vergangenen Wochen sowohl bei der Politik als auch bei vielen Bürger*innen in den Hintergrund geraten sind, erscheint es uns jetzt umso wichtiger, ihn zu veröffentlichen. Gleichzeitig haben die leeren Straßen in diesen verkehrsberuhigten Wochen gezeigt, dass es auch anders geht als wir es Prä-Corona gewohnt waren: Hinsichtlich der aktuellen Debatte über die Nutzung von Autofahrstreifen durch Fahrradfahrer, etwa auf dem Cityring, sowie bezüglich des ausstehenden Klimaentscheids finden wir, ist es jetzt genau an der richtigen Zeit über die Optionen der nachhaltigen Mobilität in Darmstadt zu berichten.

In unserer Mobilität gibt es unbestreitbar Unterschiede bezüglich der Nachhaltigkeit: Ein Fußgänger oder Fahrradfahrer hat beispielsweise 100 Prozent weniger CO2-Ausstoß als ein Auto – doch in manchen Fällen scheint es als Autofahrer schwierig, darauf zu verzichten! Besonders wenn spontane Termine anklopfen oder das Ziel viel zu weit entfernt ist für einen Fußmarsch.

400.000 Wege legt die Darmstädter Bevölkerung nach Angaben der Stadt täglich zurück. Aus der Region pendeln zusätzlich um die 80.000 Menschen zur Arbeit, Ausbildung oder Universität und zum Einkaufen in die Wissenschaftsstadt Darmstadt. Eine ziemliche Herausforderung, all diesen Verkehrsteilnehmern gerecht zu werden. Viele greifen auf den ÖPNV in und um Darmstadt zurück, doch auch dort schreit es an einigen Stellen nach Verbesserungen.

Nachhaltige Mobilität in Darmstadt: Der ÖPNV

So ist die Verbindung in Richtung Offenbach und Region nur mühselig ausgebaut. Fairerweise muss aber gesagt werden, dass das nicht in den Verantwortungsbereich der Stadt Darmstadt fällt, die für den innerstädtischen Verkehr zuständig ist in Kooperation mit dem Rhein-Main-Verkehrsbund (RMV) und der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (DADINA). Und da gehören die S-Bahn- und Regionalverbindungen nicht dazu.

Die DADINA ist ein Verband des Landkreises Darmstadt-Dieburg und der Stadt Darmstadt und wurde 1997 gegründet, um den Öffentlichen Personennahverkehr zu organisieren. Seit Dezember 2011 sind nahezu sämtliche Linien im Gebiet der DADINA an die Verkehrsleitstelle der HEAG mobilo angeschlossen. Zahlreiche Liniendaten werden auf dem Betriebshof Böllenfalltor ausgewertet und helfen so, die Pünktlichkeit jeder Fahrt festzustellen. Damit sind die Echtzeitdaten an den Haltestellen, im Internet oder in der App der HEAG mobilo möglich, so die DADINA in ihrer Broschüre zum 20-jährigen Jubiläum.

Nachhaltige Mobilität in Darmstadt: DADINA und HEAG mobilo

Die HEAG mobilo ist der führende Mobilitätsdienstleister in Südhessen und ebenfalls zuständig für den Nahverkehr in Darmstadt. Bis 2025 möchte das Unternehmen sämtliche Busse auf rein elektrischen Antrieb umstellen. “Denn mit der Umstellung auf Elektrobusse sparen wir jährlich zweieinhalb Millionen Liter Diesel ein. Damit vermeiden wir jährlich ca. 6.600 Tonnen CO2“, schreibt HEAG mobilo auf ihrer Webseite.

„Mit einer Vielzahl von Maßnahmen und Angeboten verfolgt die Wissenschaftsstadt Darmstadt das Ziel, Mobilität sicher, flüssig und umfeldverträglich zu entwickeln“, so die Aussage der Stadt. Einen großen Schritt in Richtung Nachhaltigkeit will sie mithilfe des Programms zur Verkehrswende machen. „4×4 für den Radverkehr“ ist der Name des Programms, das für über vier Jahre hinweg jeweils vier Millionen Euro zur Verfügung stellt. Die grün-schwarze Koalition hat im August 2018 dazu Verhandlungen mit der Bürgerinitiative Radentscheid über die Umsetzung der Forderungen für den Radverkehr aufgenommen. Die Entscheidung über den aktuellen Klimaentscheid steht allerdings nach wie vor aus.

Nachhaltige Mobilität in Darmstadt: Das Fahrrad

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) Darmstadt zeigt sich trotzdem teilweise zufrieden. „Das Engagement der Stadt Darmstadt hat sich unter dem Druck der Aktiven deutlich gesteigert. Das neu gegründete Mobilitätsamt fasst neben den Fahrradaktivitäten alle Aktivitäten zusammen, die zur Verkehrswende beitragen können. Und das ist gut so!“, freut sich Klaus Görgen, Pressesprecher des ADFC auf Anfrage.

Auslöser des Drucks durch die Bürgerinitiative Radentscheid sowie des ADFC waren unter anderem tragische Unfälle: In den vergangenen Jahren sind in Darmstadt mehrere Radfahrer tödlich verunglückt. Erst im Februar 2019 starb eine 53-jährige Darmstädterin auf dem Cityring nach einem Zusammenstoß mit einem Autofahrer. Die Initiative möchte die Situation für Radfahrer in Darmstadt verbessern. Zu deren Zielen gehört unter anderem der Ausbau von fünf Kilometern Radwege an Hauptstraßen als auch die Absenkung von 50 Bordsteinen pro Jahr.

Nachhaltige Mobilität in Darmstadt: Fahrradstraßen und Radverbindungen

„Darmstadt ist zwar nicht so flach wie Münster, aber auch nicht wirklich bergig“, erklärt Görgen, „so lassen sich viele Fahrten in der Stadt mit dem Fahrrad als bevorzugtes Verkehrsmittel bewältigen.“ Er sieht in der Benutzung des Drahtesels einen deutlichen Vorteil in der Stadt. „Das Fahrrad ist in der Innenstadt in der Regel schneller als ein PKW. Das kommt vor allem deshalb, weil man durch ein geschicktes Auswählen der Route viele Ampeln vermeiden kann, die Autofahrer ausbremsen.“ Natürlich bleibe trotzdem noch viel zu tun, betont er im gleichen Atemzug, so wünsche sich der ADFC unter anderem eine durchgängige Radverbindung von Ost nach West sowie von Nord nach Süd.

Ausgewiesene Fahrradstraßen gibt es in Darmstadt bereits, dazu zählen unter anderem Teile der Wilhelminenstraße, die Pankratiusstraße sowie die Heinrich-Fuhr-Straße als auch die Straße Im Erlich. „Fahrradstraßen sind ein guter Ansatz, der allerdings zu durchgängigen Verbindungen ausgebaut werden muss. So ist es sicher keine Lösung, dass die Wilhelminenstraße im Moment zumindest in Bessungen keine wirklich harmonische Fortsetzung findet“, bemängelt Görgen, bleibt aber optimistisch.

Während der Corona-Krise wurden konstruktive Vorschläge gemacht, jeweils einen Fahrstreifen der Hauptverkehrsadern unserer Stadt zu temporären Fahrradwegen umzufunktionieren. Diese Vorschläge wurden zwar für “eine sympathische Idee” befunden – aber abgelehnt. Schade eigentlich. Allein in Paris entstanden in den selben Tagen 650 Kilometer neue Radwege, 115 französische Städte zogen nach – Darmstadt hätte deutscher Vorreiter sein können. Es heißt weiterkämpfen für den Radentscheid Darmstadt.

Wer kein eigenes Fahrrad besitzt oder für wen sich die Anschaffung eines eigenen Rades nicht lohnen würde, für den gibt es „Call a Bike“, das Mietradsystem der Stadt – oder auch die „Pedelecs“. Das sind fünf E-Bikes, die jeder beim Darmstadt Shop am Luisenplatz ausleihen kann.

Nachhaltige Mobilität in Darmstadt: Die Heinerbikes

Zusätzlich stehen den DarmstädterInnen fünf „Heinerbikes“ zur Verfügung. Das sind Lastenräder, die die nützliche Transportfunktion eines Autos ersetzen können. Denn mal ehrlich: Das Schleppen der Einkaufskörbe vom Supermarkt nach Hause macht keinen Spaß. Weder zu Fuß noch mit einem überfüllten Gepäckträger, bei dem man sich fragt, an welcher Stelle die Balance wegbrechen wird.

Heinerbike“ ist ein Projekt der Stadt in Zusammenarbeit mit „Transition Town“ und erfordert nicht viel mehr als eine Registrierung auf der Webseite und der Wunschbuchung (natürlich nur, wenn zu der Zeit eines der Bikes frei ist). „Die Räder sind im Stadtgebiet gut verteilt“, erklärt Martin Huth, Mitarbeiter des Projekts. „Sie haben eine hohe Ladekapazität, die mit dem Kofferraum eines Kleinwagens durchaus vergleichbar ist.“ Wir haben über die Heinerbikes hier schon einmal berichtet:

Zurzeit kennen noch nicht alle Darmstädter dieses Angebot, Huth geht derzeit von etwa 50 Prozent aus. Vor allem in den Randlagen seien die Lastenräder noch nicht allzu bekannt. Er stellt fest, dass besonders alte Menschen und „Nur-Auto-Fahrer“ die Räder eher weniger nutzen.

Nachhaltige Mobilität in Darmstadt: Heinerbikes

Lastenräder böten auch die Möglichkeit für Firmen, Dienstwagen zu ersetzen und kürzere Strecken unkomplizierter zurückzulegen. „In unseren AGB ist die gewerbliche Nutzung ausgeschlossen, da wir ein nichtkommerzielles Projekt sind“, stellt Huth zwar klar, er selbst hält aber die Nutzung im Gewerblichen für einen sinnvollen Gedanken.

Und egal, welche von den vielen Möglichkeiten ihr in Darmstadt nutzt, kommt immer sicher ans Ziel! Unter dem Artikel findet ihr noch eine Liste mit nachhaltigen Mobilitätsangeboten in Darmstadt! Wenn euch noch etwas einfällt, schreibt uns gerne an hallo@wandelbares-darmstadt.de!

Nachhaltige Mobilität in Darmstadt

Straßenbahn-Linien 1-9
Buslinien (A, AH, AIR, EB, F, FU, G, H, K, BE1/2/3, KU, L, N, NE, O, P, PE, PG, R, WX, 8N, WE1-4)

Share 4 Good: Hier kannst du alles mit anderen teilen, was du nicht ständig selbst benutzt. Der Name share4good – Teilen für den guten Zweck – hier kannst du unter anderem dein Auto mit anderen Leuten teilen, aber auch Kettensägen, Leitern und andere Haushaltsgeräte, die man nur selten braucht

Flinc.org: App, um in seiner Nähe ein Netzwerk von Kollegen aufzubauen, die in etwa den gleichen Weg haben wie du

Für MitarbeiterInnen der Stadtverwaltung: elektrische Dienstfahrzeuge und Elektrofahrräder (Pedelecs)
Für MitarbeiterInnen der TU Darmstadt : Pedelecs für privaten Gebrauch erwerben oder während dem Dienst leihen

Ladesäulen für Elektrofahrzeuge: https://www.strom-bewegt.de/lademap_hessen
Heinerbike: Fünf Lastenräder, die den BewohnerInnen Darmstadts zur Verfügung stehen
Call a Bike: Mietradsystem für Darmstadt
Pedelecs: Fünf E-Bikes zum Ausleihen beim Darmstadt Shop am Luisenplatz

2 Kommentare zu „Dieser Weg wird kein leichter sein: Nachhaltige Mobilität in Darmstadt“

  1. Aufgabenträger des gesamten ÖPNV inkl. Eisenbahn-Regionalzügen, S-Bahn, Bus und Tram sind lt. hess. ÖPNV-Gesetz die Kreise und kreisfreien Städte. Wenn die Politik in DA und DA-DI also mehr Züge will und reaktivierte Bahnstrecken, dann muss sie sich aktiv darum kümmern.
    Weil sie das viel zu wenigtut auch im Vergleich zu anderen hess. Regionen, macht ihr seit 2017 das Regionale Schienenbündnis etwas Dampf.
    Dabei ist auch der ADFC.
    http://www.schienenbuendnis.de

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