O Bio-Weihnachtsbaum, wie nachhaltig du sein kannst: Die perfekte Tanne für grünere Weihnachten

Fast 30 Millionen Weihnachtsbäume schmücken jedes Jahr die deutschen Wohnzimmer. Die meisten davon stammen aus angelegten Kulturen. Dort werden sie mit Pestiziden gespritzt und gedüngt. Kaum ist das Fest vorbei, wandert die Tanne auf die Straße. Das alles klingt nicht gerade nachhaltig. Aus diesem Grund zweigen wir Euch gewissenfreundlichere Alternativen, vom Bio-Weihnachtsbaum, bis zum getopften Weihnachtsbaum.

Bio-Weihnachtsbäume in Darmstadt
Bio-Weihnachtsbäume in Darmstadt

Warum wir auf herkömmliche Weihnachtsbäume lieber verzichten sollten

Unter herkömmlichen Weihnachtsbäumen versteht man Tannen, die auf eigens angelegten Plantagen heranwachsen. Besonders begehrt ist die Nordmanntanne. Aber Nordmänner sind hierzulande nicht heimisch. Durch ihre weichen Nadeln und fülliges Nadelkleid wurde die dänische Tanne auch bei uns zum Verkaufsschlager. Mittlerweile ist sie der Standard auf den deutschen Weihnachtsbaumkulturen und wird kaum noch importiert.

Zwar wurden die Anlieferungswege so kürzer, jedoch ändert das nichts an der Tatsache, dass herkömmliche Tannen mit Pestiziden gespritzt werden. Die Chemiecocktails sollen dafür sorgen, dass kein Beiwuchs die Tanne im gleichmäßigen Wachstum stört. Durch das Spritzen wird sie nicht von Schädlingen und Krankheiten befallen. Allerdings sind die Chemikalien schlecht für die Umwelt – nicht zuletzt für Mensch und Tier. Das bestätigt das Umweltbundesamt.

Sind künstliche Weihnachtsbäume eine bessere Lösung?

Zwar hält ein Plastikweihnachtsbaum wesentlich länger als eine geschlagene Tanne und kann sehr lange genutzt werden. Studien zeigen dennoch, dass der künstliche Baum 17 – 20 Jahre genutzt werden muss, um wirklich ökologischer als eine Naturtanne zu sein: Künstliche Weihnachtsbäume haben längere Transportwege, da sie in der Regel aus dem Ausland importiert werden. Es muss berücksichtigt werden, ob es sich um recycelte Materialien handelt oder nicht. Hinzu kommt die Entsorgung. Früher oder später landet der große Plastikbaum auf der Mülldeponie. Dagegen haben geschlagene Tannen den Pluspunkt, dass sie vor dem Fällen acht bis zehn Jahre auf der Plantage gewachsen sind. In dieser Zeit können sie Kohlenstoffdioxid speichern.

Weihnachtsbaum-Plantage
Weihnachtsbaum-Plantage

Im Interview mit dem Inhaber der Gärtnerei Löwer in Roßdorf gibt Andreas Löwer Ratschläge zu umweltfreundlicheren Bio-Weihnachtsbäumen:

Gärtnerei Löwer Roßdorf
Herr Löwer, worin liegen die Vorteile eines Bio-Weihnachtsbaums?

Löwer: Bei konventionellen Tannen wird der Beiwuchs meist mit Glyphosat abgespritzt. Das war der Hauptgrund, warum wir auf Bio umgestiegen sind. Denn bei unseren Bäumen wird der Beiwuchs entweder abgemäht oder durch Schafe kurzgehalten. Die Schafe kommen ein- bis zweimal auf die Plantagen und halten die Gräser zwischen den Bäumen kurz.
Die Bäume sollten so lange wie möglich Zeit zum wachsen bekommen. Insekten und Co. nutzen die Blüten ausgiebig. Diese dienen als natürliche Gegenspieler der Blattläuse. Der Lieferant düngt den Bio-Weihnachtsbäume komplett ökologisch. Wenn er doch mal den Baum spritzen muss, benutzt er dafür Molke.

Woher beziehen Sie die Weihnachtsbäume, die in Ihrer Gärtnerei verkauft werden?

Löwer: Wir haben uns für die Weihnachtsbäume aus dem Spessart entschieden, weil es für uns das nächste große Anbaugebiet ist. Zudem haben wir auch nur einen Lieferanten und dieser hat sich auf den Bio-Anbau spezialisiert. Ebenso wichtig ist uns ein frisch geschlagener Baum. Aus diesem Grund sind kurze Lieferwege wichtig. Damit umgehen wir auch Zwischenhändler.

IST EIN GETOPFTER WEIHNACHTSBÄUME EINE GEWISSENHAFTERE ALTERNATIVE?

Löwer: Ich persönlich habe meine Probleme mit dem getopften Weihnachtsbaum. Wir haben bisher noch keinen Anbieter gefunden, der den Baum in Bio-Qualität anbietet. Diese beziehen wir aus unterschiedlichen Regionen, das bedeutet, dass die Tannen auch länger Anfahrtswege haben.
Darüber hinaus liegt die Schwierigkeit in der Haltbarkeit der Tanne. Denn die gesamte Wurzel passt nicht in einen Topf. Deshalb werde die Wurzeln gekappt und wir können den Kund*innen keine Anwachsgarantie geben.
Das zweite Problem liegt darin, dass der Weihnachtsbaum im warmen Haus steht. Wenn Weihnachten vorbei ist, stellen die Besitzer*innen ihn einfach nach draußen. Dadurch bekommt die Tanne einen Temperaturschock. Er muss unbedingt vorher akklimatisieren.

Gibt es verschiedene Arten von getopften Weihnachtsbäumen?

Löwer: Ja, unsere Gärtnerei bietet zwei verschiedene Sorten an. Es gibt den frischgetopften Baum, der eine niedrigere Überlebenschance hat. Durch das Ausgraben werden viele Wurzeln verletzt.
Dann gibt es Bäume, die bereits im Topf gewachsen sind. Die haben jedoch nur eine begrenzte Höhe, nämlich 1,20 Meter. Je größer der Baum, desto größer muss der Topf sein.

Pflegeanleitung für den getopften Weihnachtsbaum
Behalten die Kund*innen den getopften Weihnachtsbaum oder können sie ihn wieder abgeben?

Löwer: Der Baum bleibt bei den Kund*innen. Wir haben schon darüber nachgedacht. Aber das scheitert daran, dass der Baum akklimatisiert werden muss. Da frage ich mich, was nachhaltiger ist: Ein Gewächshaus zu errichten und Flächen dafür zu verbrauchen oder den Baum bei den Kund*innen im Garten zu lassen?

Welche der beiden Varianten finden Sie persönlich nachhaltiger? Den geschlagenen Bio-Weihnachtsbaum oder den Getopften?

Löwer: Ich finde den geschlagenen Baum ökologischer. Der wächst in seinem eigenen Ökosystem auf. Bei den getopften Bäumen fehlt mir momentan noch der wirkliche Nachhaltigkeitsfaktor.

Getopfter Weihnachtsbaum
Bio-Weihnachtsbaum
Bio-Weihnachtsbaum
Bio-Weihnachtsbaum

Spendenaktion mit Plant for the Planet e.V. Aschaffenburg

Aufgrund der Kritiken zur Nachhaltigkeit der Weihnachtsbäume, hatte die Gärtnerei Löwer im Jahr 2019 eine Idee: “Wir haben uns dazu entschlossen, für jeden verkauften Bio-Weihnachtsbaum, einen Baumsetzling für die Region zu spenden.” Um das umzusetzen, wandte sich der Inhaber an Plant for the Planet in Aschaffenburg.
Der Verein sammelt bereits seit fünf Jahren Spenden für Bäume. “Ich wollte etwas für Aschaffenburg tun, damit Bäume in der Region gepflanzt werden und habe deshalb den Verein gegründet”, informiert die Gründerin Vanessa Weber.

Plant for the Planet Aschaffenburg veranstaltet jährlich eine Kinderakademie. Dort wird den Schüler*innen zwischen neun und zwölf Jahren die Klimakrise nähergebracht. Außerdem bekommen sie erklärt, warum es wichtig ist zu handeln und was sie gegen die Krise unternehmen können. Während eines Podiums überlegen sich die Kinder, wie sie Spenden für Bäume sammeln können. Am Ende dürfen diese sich Klimabotschafter*innen nennen. Bisher bildete Plant for the Planet bereits mehr als 330 Schüler*innen aus.

Pflanzaktion der gespendeten Bäume

“Am 17. Oktober 2020 hatten wir dann eine große Aktion in Alzenau. Wir von der Gärtnerei halfen auch mit”, erzählt Löwer. Einmal im Jahr veranstaltet Plant for the Planet Aschaffenburg eine große Pflanzaktion. “Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 120.00 Bäume gepflanzt. Der größte Anteil ging von der Gärtnerei Löwer mit über 5.000 Setzlingen aus. Knapp 100 Leute waren daran beteiligt, darunter auch Kinder mit ihren Familien. Wir machen das, damit die Kinder sehen, was mit den Spenden passiert”, macht Vanessa Weber deutlich. An diesem Tag pflanzten die freiwilligen Helfer 300 Bäume.

Baumpflanzaktion Plant for the Planet
Baumpflanzaktion Plant for the Planet

GÄRTNEREI LÖWER


Heiz-Friedrich-Str. 12
64380 Roßdorf

Öffnungszeiten:
Mo – Fr 08.30 – 18.30 Uhr
Sa 08:30 – 18 Uhr

Mehr Infos und das gesamte Sortiment:
Gärtnerei Löwer

Die Bilder stammen von Teresa Berberich, der Gärtnerei Löwer und Plant for the Planet e.V. Aschaffenburg.

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