Ist doch Wurst? Fleischkonsum in Darmstadt

Ist unser Fleischkonsum noch zeitgemäß? Etwa 60 Kilogramm isst ein Deutscher im Jahresdurchschnitt. Der tatsächliche Verbrauch ist sogar noch höher. Doch trotz vegetarischer Alternativen, dem Wissen über Massentierhaltung und der Auswirkungen für die Umwelt sind viele zu bequem, um sich zu ändern. Wir begeben uns auf die Suche, wie wir unseren Fleischkonsum in Darmstadt anpassen können.

Großer Partner vom Hofgut Oberfeld sind in Sachen Wurstwaren die Herrmannsdorfer Landwerkstätten aus Oberbayern.

Nachhaltigkeit ist eine Gesellschaftsaufgabe: Wenn jede Person bei sich anfängt, ist am Ende allen geholfen. Was das Thema Klimaschutz angeht, ist dabei der vielleicht effektivste Weg, bei seiner Ernährung auf Fleisch zu verzichten. Neben Gesundheitsfaktoren (Stichworte Antibiotika, Farbstoffe, Darmkrebsrisiko bei zu viel Fleisch bzw. Wurst…) und der allgemeinen großen moralischen Frage, im 21. Jahrhundert noch Tiere für den Verzehr zu töten, stehen etwa abgeholzte Regenwälder, die für Sojafelder herhalten müssen. Diese Monokulturen, die in der Erde wegen Pflanzendüngern und Gülle auch Giftstoffe wie Nitrat und Stickstoff hinterlassen, werden dann als Futter für Rinder verwendet. Diese wiederum stoßen bei der Verdauung auch Methan aus, welches um ein Vielfaches klimaschädlicher ist als CO2. Von anderen Belastungen der Fleischproduktion wie dem extrem hohen Wasserverbrauch einmal ganz zu schweigen.

Doch all dies ist ja im Grunde nichts Neues. Wir wissen von den verheerenden Ausmaßen für die Umwelt und sind uns dem Elend von Massentierhaltung bewusst. Trotzdem kämpfen die Discounter weiter um die niedrigsten Fleischpreise. Und trotzdem essen viele weiterhin Fleisch. Zu unbequem ist die Wahrheit – zu einfach, die Schuld an die Industrie oder das System abzugeben. Dabei haben wir als Konsumenten in einer Marktwirtschaft eigentlich die größte Macht darüber, was in den Regalen steht.

Weniger Fleisch, dafür bessere Qualität

Nun ist es aber verständlicherweise nicht einfach, seine Essgewohnheiten von dem einen auf den anderen Tag komplett umzustellen. Bei Vielen stehen Würstchen, Hackfleisch oder Wurstaufstrich noch immer täglich auf dem Speiseplan; oft sogar mehrmals am Tag. Zu verlangen, jeder müsse sich ab sofort vegetarisch ernähren, wäre daher utopisch. Ein erster Schritt kann aber schon ein bewussterer Konsum sein, etwa indem man seinen Fleischverzehr auf ein paar wenige Tage die Woche reduziert. Am besten achtet man dabei direkt auch auf die Herkunft des Fleisches. Anstatt jeden zweiten Tag für ein paar Euro Billig-Hackfleisch im Discounter zu kaufen, reicht auch ein Wocheneinkauf beim Metzger um die Ecke. Hier kostet es zwar etwas mehr, doch hat das Fleisch meist auch eine bessere Qualität. Es ist also nicht nur für Tierwohl und Klima besser, sondern auch für Gesundheit und Geschmack.

Eine von solchen Metzgereien findet man etwa im Stadtteil Bessungen. Seit Oktober letzten Jahres führen hier Lorena Pasculli und Michael Münster, beide Anfang 30, „Die Stadtmetzgerei“. Der Unterschied zum Supermarkt: Das Paar weiß, was in ihren Produkten drin ist. Das Fleisch für die Produktion wird selbst ausgesucht: Schweine und Rinder lassen sie regional in Brensbach im Odenwald schlachten, das Lammfleisch kommt aus Lampertheim, Geflügel aus Georgenhausen bei Reinheim.

Michael Münster bei der Arbeit. "Die Stadtmetzgerei" im Darmstädter Stadtteil Bessungen hat seit letztem Oktober geöffnet.
Michael Münster bei der Arbeit. “Die Stadtmetzgerei” im Darmstädter Stadtteil Bessungen hat seit letztem Oktober geöffnet.

„Alle vier Wochen haben wir außerdem Duroc-Schwein“, erklärt Münster hinter seiner Theke. „Das ist fast wie Iberico-Schwein.“ Kurzerhand holt er ein Stück Fleisch der reinrassigen, nicht verzüchteten Schweinerasse und erklärt, dass das muskuläre Fett und die Fettmarmorierung zwischen dem Fleisch für eine sehr hochwertige Qualität stehen. Aus dem langjährigen Metzgereibetrieb der Eltern in Gernsheim hat der Metzger viel Erfahrung mitgebracht. Und auch eine treue Stammkundschaft hat man schnell finden können – der Laden wird gut besucht. Für eine eigene Schlachtung sei ihr Betrieb jedoch zu klein. „Da sind die Auflagen einfach zu hoch“, meint Münster. Bis zu dem Punkt der Schlachtung habe man aber alles unter Kontrolle.

Auch die Metzgerei Gräber bezieht ihr Fleisch unter anderem aus Brensbach. Seit 2001 wird der Betrieb am Marktplatz mitten in Darmstadt von Georg Thomas und Gabriele Gräber geleitet. Das Geschäft dient als Produktions- sowie als Verkaufsstätte gleichzeitig. Neben einem vielfältigen Angebot aus allerlei Schinken, Würsten und sonstigen Fleischprodukten gibt es hier als Alternative zum Supermarkt auch Hausmacher Wurst und Fleischgerichte in der Konserve – „nach traditioneller Rezeptur“ und aus eigener Herstellung versteht sich.

Nachhaltiger Fleischkonsum in Darmstadt?

Die Metzgerei Krug aus der Heidelberger Straße indes bekommt ihr Fleisch von Landwirten aus Oberhessen. Nicht nur weiß man daher stets wo genau die Tiere herkommen, auch wird bei diesen Tieren eine artgerechte Haltung und Fütterung garantiert. So zumindest schreibt der Familienbetrieb auf seiner Website. Aber auch aus dem Odenwald bekommt die Metzgerei ihr Fleisch. Bei der Auslage sei außerdem 90 Prozent der Waren aus eigener Produktion. 2010 wurde der Betrieb vom Fachblatt „Der Feinschmecker“ als eine der besten Metzgereien Deutschlands ausgezeichnet.

Wer bei seinem Fleischkonsum auf Bioqualität setzen möchte, findet in beinahe jedem Supermarkt entsprechende Angebote. Eine regionalere Alternative gibt es jedoch im Osten der Stadt. Das Hofgut Oberfeld ist eine der Anlaufstellen in Darmstadt schlechthin, wenn es um ökologische Ernährung geht. Nicht nur, dass der landwirtschaftliche Hofbetrieb im Besitz von ÖKO- und Demeter-Zertifikat ist. Auf dem Hof gibt es neben einem Café auch einen kleinen Laden, wo sich von Nudeln über Wein bis hin zu Bambus-Wattestäbchen allerlei Brauchbares für den Alltag finden lässt. Mehl, Müsli, Kartoffeln und Brötchen kommen hier genauso aus eigener Erzeugung wie Eier, Käse und andere Milchprodukte.

Neben eigenem Geflügel gibt es hier alle vier Wochen auch Kalbfleisch vom Hof. Das Schlachtdatum dafür wird vorher im Hofladen auf einer kleinen Tafel bekannt gegeben. Ab Februar gibt es außerdem auch alle zwei Wochen eigenes Rindfleisch. Kathrin Goebel, zuständig für die Tierhaltung des Betriebs, erklärt: “Wir betreiben eine flächengebundene Tierhaltung. Das bedeutet, dass wir nur so viele Tiere halten, wie das Hofgut Oberfeld auch selbst ernähren kann.” So werden Auswirkungen vermieden, die durch zugekauftes Futter entstehen – etwa für Umwelt und Klima. Bei Obst, Gemüse, Saft, Honig und Wurstwaren wird auf regionale Partner zurückgegriffen, bei denen natürlich ebenfalls auf die Herkunft geachtet wird. “Im Hofladen hat alles Bio-Qualität”, erklärt Goebel. Die Wurstwaren kommen aber vor allem von den Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Das ökologische Unternehmen aus Oberbayern ist Mitglied im Biokreis-Verband und kann sämtliche Auszeichnungen in Sachen Nachhaltigkeit, Ökologischem Anbau und Umweltschutz vorweisen.

Doch trotz alledem: Fleisch bleibt eben Fleisch. Und neben all den aufgezeigten Möglichkeiten gibt es selbstverständlich auch diverse vegetarische Alternativen, die lecker sind. Falafeln oder Tofu zum Beispiel. Wem das nicht reicht, kann auch auf Nachahmungen von Fleischgerichten zurückgreifen – etwa auf Ei- oder Sojabasis. Viele Supermarktketten bieten inzwischen Wurstaufstrich, Hähnchenfilet oder Hackfleisch in dieser Form an. Und auch wenn es einen „nachhaltigen Fleischkonsum“ wohl nicht gibt, ist so zumindest schon einmal ein Schritt in die richtige Richtung gemacht.

Doch wie ist es bei Euch? Wie viel Fleisch esst Ihr und kennt Ihr noch weitere empfehlenswerte Alternativen in Darmstadt? Wir haben diese Möglichkeiten rausgesucht, doch es gibt sicherlich noch mehr. Schreibt uns gerne Eure Erfahrungen in die Kommentare!

Vier Möglichkeiten in Darmstadt,
nachhaltiger Fleisch zu konsumieren

Metzgerei Krug
Heidelberger Straße 80
64285 Darmstadt
Mo – Fr 7:30 – 13 Uhr und 14:30 – 18 Uhr,
Sa 7:30 – 13 Uhr
Mi-Nachmittag geschlossen
Tel. 06151 – 62223

Altstadtmetzgerei Gräber
Schustergasse 5
64283 Darmstadt
Di – Mi 8 – 13 Uhr und 14 – 18 Uhr,
Do – Fr 8 – 18 Uhr, Sa 7 – 13 Uhr
Montag geschlossen
Tel. 06151 – 25028

Die Stadtmetzgerei
Bessunger Straße 8
64285 Darmstadt
Di – Fr 7 – 13 Uhr und 15 – 18 Uhr,
Sa 7:30 – 13 Uhr
Tel. 06151 – 1523082

Hofgut Oberfeld (Hofladen)
Erbacher Straße 125
64287 Darmstadt
Mo – Fr 9 – 19 Uhr,
Sa 9 – 16 Uhr
So geschlossen
Tel. 06151 – 95048620
Schlachttermine

2 Kommentare zu „Ist doch Wurst? Fleischkonsum in Darmstadt“

  1. Annegretvon Wietersheim

    Guten Tag,
    im Rahmen einer Recherchearbeit forsche ich zum Thema “Tiere töten”. Auf Ihrer Infoseite sah ich, dass Sie Schlachttermine veröffentlichen. Ich wäre sehr daran interessiert, mit dem von Ihnen beauftragten Schlachter/Schlachtbetrieb ins Gespräch zu kommen.
    Können Sie einen Kontakt vermitteln? Es würde mich in meiner Arbeit sehr weiterbringen!
    Dankeim Voraus und Gruß
    Annegret von Wietersheim

    1. Lisa Mattis

      Hallo Frau von Wietersheim,
      vielen Dank für Ihren Kommentar! Vielleicht haben Sie da etwas falsch verstanden, wir bieten kein Fleisch an und haben auch keine Schlachttermine veröffentlicht, sondern nur zu einer Webseite des Hofgut Oberfeld verlinkt, auf der deren Schlachttermine veröffentlicht werden. Kontaktadressen finden Sie sicher auch auf der Webseite: https://www.landwirtschaft-oberfeld.de
      Weiterhin viel Erfolg,
      das Team von Wandelbares Darmstadt

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