Nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind

Ein umweltbewusster Lebensstil und die Vermeidung von Müll sind nicht immer leicht umzusetzen. Und mit der Geburt von Kindern scheinen sich die Müllberge zu vervielfachen: kaputtes Spielzeug, Verpackungen von Babynahrung, Feuchttücher und kiloweise Windeln. Vielen Eltern stellt sich daher die Frage, wie sich das Leben mit Baby und Kleinkind nachhaltiger gestalten lässt. Wir geben Tipps zum nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind.

Nachhaltig Leben mit Baby
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Nachhaltig Leben mit Kleinkind
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Oft schreckt uns bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Nachhaltigkeit der Gedanke ab, man müsse seinen Alltag sofort völlig auf den Kopf stellen. Oder aber, man geht die Sache mit einem zu großen Anspruch an sich selbst an, nach dem Motto: Ganz oder gar nicht. Doch beim Thema Nachhaltigkeit geht es in erster Linie nicht um Perfektion, sondern darum, offen für neue Wege und Lösungen zu sein und Gewohnheiten anzunehmen, die gut mit dem eigenen Alltag zu vereinen sind.

Nina W. aus Darmstadt, Mutter einer neun Monate alten Tochter, hat in ihrem Alltag bereits vor dem Baby auf Nachhaltigkeit geachtet und beispielsweise Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie verwendet. Vieles habe sie sich noch von ihrer Oma abgeschaut, erzählt Nina: „Sie ist natürlich kriegsbedingt ein wesentlich stärkeres Extrem, aber da wird eben alles nochmal wiederverwendet. Es herrscht auch noch eine andere Mentalität. Dadurch wurde mir auch nochmal klarer, dass wir in einer krassen Wegwerfgesellschaft leben und dass wir daran eigentlich auch ganz viel ändern können. Warum sollte ich Plastikbesteck verwenden oder mir einen Einwegbecher holen? Es sind eben auch einfache Dinge, die man vermeiden kann.“ Zum Thema Umweltbewusstsein lässt sich Nina auch gerne von den Inhalten in den sozialen Medien inspirieren und reflektiert und hinterfragt ihr eigenes Verhalten.

Second Hand – Kleidung, Geschenke, Spielsachen

Der vermutlich einfachste Weg, wie man sein Leben und auch das Leben mit Baby nachhaltiger gestalten kann, ist es, auf Second Hand zu setzen. Angefangen bei der Umstandsmode, die man sich ja nur für den Zeitraum seiner Schwangerschaft(en) besorgt. Auf den Plattformen Vinted (früher Mamikreisel) oder eBay Kleinanzeigen gibt es eine große Auswahl an Second Hand Kleidung – und das nicht nur für Schwangere. Auch Freund:innen oder Verwandte sind eine gute Anlaufstelle. Die 47-jährige Malin aus Seeheim hatte sich während ihrer Schwangerschaft gar keine Kleidung neu kaufen müssen: „Bei der Umstandsmode hat mir eine Freundin ausgeholfen. Sie hat mir einfach rübergeschickt, was sie hatte. Die Sachen habe ich dann hinterher auch wieder weitergegeben. Man trägt sie ja nicht lange“, erzählt sie.

Anziehsachen für ihre ebenfalls neun Monate alte Tochter kauft sie gerne auf lokalen Flohmärkten oder bei eBay. Ihr Tipp: Lieber gebrauchte Markenkleidung kaufen, diese lasse sich im Nachhinein auch besser wiederverkaufen. Mit etwas Glück bekomme man sogar dasselbe, was man selbst dafür bezahlt hat, wieder. In Griesheim gibt es außerdem einen schönen Second Hand Laden für Kindersachen Namens Hipster: Dort findet man neben Kleidung und Spielzeugen auch Bücher, Kindersitze, komplette Babyausstattung und vieles mehr. Über das Geschäft kann man auch seine eigenen Sachen verkaufen und bekommt jeweils 50 Prozent von dem selbst gewählten Verkaufspreis. Weitere tolle Second Hand Shops in Darmstadt sind das Lejla’s und der Pompadour.

Nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind
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Nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind
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Nachhaltige Geschenke für Babys: Gerne auch gebrauchtes!

Doch auch wenn man sich selbst für ein nachhaltiges Konsumieren entschieden hat, so wird man gerade in der Anfangsphase gerne mit Geschenken von Verwandten und Freund:innen überhäuft. Daher kommunizierte Nina ganz offen, dass sie nichts gegen gebrauchte Geschenke habe: „Ich hab häufig gesagt, wenn ihr was schenken wollt, kauft auch wirklich gerne etwas Gebrauchtes. Oder ich habe einen Link geschickt oder ein Bildchen, wie ich mir das dann vorstelle. Habe aber dann trotzdem eins, zwei neue Teile bekommen – und die hatten wir dann auch nur paar Mal an. Ich glaube, dass schon noch Hemmungen da sind, etwas Gebrauchtes zu verschenken.“

Der Babymarkt boomt – kein Wunder!

Vor allem in den ersten Monaten wachsen Babys aus der Kleidung schneller heraus, als man gucken kann. Daher gilt grundsätzlich die Devise: Weniger ist genug! Doch das könnte den werdenden Eltern vermutlich gar nicht so leicht fallen. Bei der Frage nach der notwendigen Erstausstattung, stößt man im Netz auf etliche Listen mit vermeintlich unverzichtbaren Produkten. Als sorgendes Elternteil, möchte man dem Ganzen natürlich gerecht werden und seinen Nachwuchs wohl versorgt wissen. Man sollte jedoch dabei bedenken, dass der Babybedarf heutzutage ein Milliardenmarkt geworden ist, der Bedürfnisse schafft, die uns von selbst gar nicht aufkommen würden. Allein im Jahr 2018 lag laut Statista der Umsatz im Bereich Baby- und Kinderausstattung in Deutschland bei rund 7,3 Milliarden Euro – Tendenz steigend.

Dieses Konsumverhalten wird zusätzlich von YouTube und Instagram-Eltern beeinflusst: Produktempfehlungen, Produktplatzierungen und etliche Babypartys bevor das Kind auf der Welt ist, nur um noch mehr Produkte geschenkt zu bekommen. Doch das Beste, was wir für die Umwelt machen können, ist gar keine Produkte zu kaufen – zumindest keine, die nicht essentiell sind. Nina hat auf solch eine Babyparty etwa bewusst verzichtet, weil sie den Zweck der Feier, nämlich das Überhäufen von Geschenken, nicht unterstützen wollte. So eine Party sei aber auch mit Nachhaltigkeit verknüpfbar, denkt sie: Statt Windeltorte könne man sich ja ein Stoffwindelpaket wünschen.

Nachhaltige Spielsachen bedeutet weniger Spielsachen

Viele Eltern haben Kisten voller Spielzeug stehen, die monatelang nicht angerührt werden. Für Kinder macht das Spielen mit Alltagsgegenständen, wie dem Kochlöffel von Papa, oft sogar viel mehr Spaß. Auch hier lassen sich gebrauchte Spielsachen von Bekannten, Flohmärkten oder Second Hand Läden wunderbar integrieren. Am Ende des Tages brauche ein Baby viel weniger, als man denkt, meint Malin: „Man will es niedlich haben, aber dem Kind ist es eigentlich egal.“ Sich von oben bis unten auszustatten, sei auch laut Nina nicht sinnvoll, man müsse die Sachen am Ende ja auch wieder loswerden. Und sollte einem doch noch etwas fehlen, dann lassen sich die meisten Artikel auch innerhalb von ein paar Tagen besorgen.

Nachhaltig leben mit Kleinkind
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Nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind: Wie ist das mit dem Wickeln?

Sich vor der Geburt seines Babys mit einem ordentlichen Vorrat an Wegwerfwindeln einzudecken, ist für viele werdende Eltern zu einem Must-Do geworden. Auch eine schicke Windeltorte bei der Babyparty gehört zum gängigen Geschenke-Set dazu. Oft hinterfragen wir verbreitete Standards nicht mehr und machen die Dinge eben so, wie die anderen aus dem eigenen Umkreis. Doch für Nina aus Darmstadt war genau das der Grund, ihr Verhalten zu reflektieren und die vermeintlichen Standards in Frage zu stellen: „Ich hab das jetzt bei Freunden mitbekommen. Das erste Kind war dreieinhalb, als die Windeln abgeschafft wurden. Jetzt kommt das zweite Kind, das wären insgesamt etwa sechs Jahre Windeln, was echt krass ist. Und ich dachte mir – Wahnsinn, da entstehen richtige Müllberge, wenn wir dann auch anfangen zu wickeln“, gesteht sie.

Nach Aussagen von Windelhersteller*innen benötigt ein Baby im Schnitt 5.000 Windeln, bis es trocken ist. Das macht etwa eine Tonne Windelmüll, die pro Kind verbrannt werden muss. Die gängigen Wegwerfwindeln bestehen in der Regel aus mehreren Schichten, die sich jeweils aus verschiedenen Kunstoffen sowie Erdöl zusammensetzten. Verbrannt werden kann dabei nicht alles – nicht brennbare Kunststoffteile und giftige Filterstäube aus der Müllentsorgungsanlage werden anschließend im Untertagebau gelagert.

Die Alternative zu Wegwerfwindeln: Umweltfreundlich Wickeln mit Stoffwindeln

Nina hat sich daher von Anfang an für Stoffwindeln entschieden. Sie bestehen aus 100 Prozent Baumwolle, sind atmungsaktiver, wiederverwendbar und auf lange Sicht gesehen sogar billiger – vor allem, wenn mehrere Kinder geplant sind. Aber auch der Wiederverkaufswert sei ziemlich gut. „Ich habe mir am Anfang sechs verschiedene Windeln gekauft, um sie auszuprobieren. Die ersten Tage war ich ein bisschen überfordert, weil irgendwie nichts gepasst hat. Bin aber drangeblieben und habe mich da reingefuchst“, erzählt Nina. Zum Ausprobieren gibt es auch die Möglichkeit, sich erst einmal ein Mietpaket zu bestellen. Der Stoffwindelservice Die Windelzwerge aus Oberursel zum Beispiel liefert für knapp 20 Euro beziehungsweise 25 Euro pro Woche (je nach Windelart) ein frisches Windelpaket und sammelt die benutzten Stoffwindeln zum Waschen wieder ein – auch eine Beratung zur Handhabung der Stoffwindeln wird auf der Webseite angeboten.

Nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind
Fotos: Instagram, lullus_stoffwindeln
Stoffwindeln sind eine Möglichkeit zum nachhaltig(er)en Leben mit Baby und Kleinkind
Nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind

Die gängigen Feuchttücher hat Nina durch selbstgenähte Stoff-Waschlappen von ihrer Mutter ersetzt. Auch für die gekaufte Wickelunterlage benutzt sie einen wiederverwendbaren, waschbaren Überzug. Für die Nacht bedient sich die Mutter allerdings noch der üblichen Wegwerfwindeln. Die seien einfach ein wenig praktikabler, vor allem im Hinblick auf die Menge an Pipi am Morgen, erklärt sie.

Öko-Windeln als Kompromiss?

Die erste Wegwerfwindel wurde bereits 1961 in den USA auf den Markt gebracht – zu uns nach Deutschland kam sie dann 12 Jahre später, 1973. In der heutigen Zeit springen viele Firmen gerne auf den Nachhaltigkeitszug auf. Das führt dazu, dass viele Windelhersteller sogenannten Öko-Windeln auf den Markt bringen. Das klingt zwar erst einmal nachhaltig, allerdings handelt es sich dabei immer noch um Wegwerfwindeln die nicht, wie manche vielleicht vermuten würden, in der Biotonne sondern im Restmüll entsorgt werden müssen.

Der oftmals verwendete Begriff „kompostierbar“ ist dabei für die Verbraucher:innen irreführend. Denn die meisten Öko-Windeln bestehen nicht ausschließlich aus biologisch abbaubaren Materialien. Bei ihrer Entsorgung bieten sie daher keine beachtlichen Vorteile gegenüber ihren Plastikvertretern. Dennoch ist ihre Ökobilanz durch den höheren Anteil an nachwachsenden Ressourcen besser. Beim Kauf solcher Windeln sollte man genau hinschauen und sich dessen bewusst sein, dass es keine einheitliche Definition für „Bio“ oder „Öko“ gibt und Firmen den Begriff für sich so auslegen können, wie sie wollen.

Beikost selbst kochen (mit Breifrei)

Um sich den Verpackungsmüll von Quetschies, Babygläschen und Co. zu sparen, aber auch deren Produktion nicht zu unterstützen, kann man die Babynahrung ganz einfach selbst zubereiten. Nina hat sich dabei für das Konzept der breifreien Beikost entschieden. Wie der Name schon sagt, bekommen Babys zusätzlich zur Muttermilch oder dem Milchfläschchen Beikost, in Form von fester Nahrung. Dabei wird das Baby nicht mit dem Löffel gefüttert, sondern kann das Fingerfood selbst greifen, ertasten, riechen, schmecken und in den Mund stecken. „Man kocht ein Familiengericht und nimmt davon dann eine Portion für das Baby ab. Das heißt man spart sich die zusätzliche Zubereitung und dadurch auch zusätzliche Stromkosten. Wenn man das Fingerfood nicht möchte, dann schmeißt man letztendlich alles in den Mixer und hat das gleiche“, erzählt Nina von ihren Erfahrungen. Auch Malin bereitet das Essen für ihr Baby selbst zu; aber gerade für unterwegs greift sie auch mal zu den fertigen Gläschen.

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Foto: Unsplash, Paul Hanaoka

Ihr seht, nachhaltig leben mit Baby und Kleinkind funktioniert – auch wenn man in manchen Bereichen ein wenig Geduld mitbringen muss. Es geht nicht darum, morgen aufzustehen und alle Tipps gleichzeitig umzusetzen. Sondern darum, ein Bewusstsein für nachhaltige Themen zu entwickeln, sein Verhalten zu reflektieren und neue Ideen zu sammeln.

Falls ihr einen der Tipps zum nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind ausprobiert oder noch weitere Ideen habt, wie man mit Kindern nachhaltiger leben kann, dann teilt eure Erfahrungen gerne in den Kommentaren mit uns!

Stoffwindelservice

Die Windelzwerge GbR
Altkönigsstraße 8
Oberursel (Taunus)
info@diewindelzwerge.de 

01590/1485868
Webseite

2 Kommentare zu „Nachhaltig Leben mit Baby und Kleinkind“

  1. Danke für den tollen Beitrag über das Nachhaltige leben mit Kind. Ich würde sehr gerne nachhaltiger leben, wenn meine Tochter auf die Welt kommt. Ich hoffe, dass ich auch Biokleidung im Secondhandshop finde.

  2. Interessanter Beitrag über nachhaltige Kleidung, Geschenke & Spielsachen! Ich lege großen Wert auf nachhaltige Kuscheltiere und Spielzeuge! Vor allem einen Kletterbogen find ich sehr sinnvoll wegen der Förderung der Motorik des Kindes 🙂

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