Extinction Rebellion: Die Klimabewegung mit dem Uhrglas-Logo

Blockieren, Aufklären, Wandel bewirken – Extinction Rebellion ordnet sich als Klimabewegung zwischen Festnahme und Poetry Slam ein. Von Vorträgen über Fakten der Klimakrise und Zombie Dance Acts bis hin zu Straßenblockaden: Damit möchte Extinction Rebellion in Darmstadt einen Wandel anregen, um die Menschheit vor dem Aussterben zu bewahren.

Die Extinction Rebellion Flagge wird bei einer Demonstration in Mainz geschwenkt.
Die Extinction Rebellion Flagge wird bei einer Demonstration in Mainz geschwenkt.

Extinction Rebellion, oft auch als XR abgekürzt, ist eine gesellschaftspolitische Bewegung mit Fokus auf Klimagerechtigkeit. Sie stammt ursprünglich aus dem Vereinigten Königreich, zählt aber mittlerweile über tausend Ortsgruppen in 75 Ländern auf der ganzen Welt. Auf Deutsch bedeutet der Name „Extinction Rebellion“ so viel wie „Aufstand gegen das Aussterben“. Denn XR macht es sich zur Aufgabe, einen Wandel herbeizuführen, der das Fortbestehen der Menschheit sichern soll.

Bekannt ist Extinction Rebellion durch Handlungen des zivilen Ungehorsams, also dem bewussten Widersetzen von Gesetzen. Einige Mitglieder sind mitunter auch bereit, sich für ihre Ziele festnehmen zu lassen und haben dies in der Vergangenheit auch schon in Kauf genommen. Deshalb gilt die Bewegung auch als radikalere Version von „Fridays for Future“. XR ist aber mehr als Straßen blockieren und sich an Bäume anketten. Zu den zahlreichen Aktionen gehören auch Trauermärsche, in denen ein Sarg symbolisch für die durch die Klimakrise bedrohte Zukunft getragen wird, oder die Red Rebels, eine Performance-Aktivistengruppe, welche in roten Kleidern gewandt durch ihre Bewegungen starke Bilder produzieren.

Was fordert Extinction Rebellion?

Oft haben einzelne Aktionen jeweils ihre eigenen Aussagen und spezifischen Ziele. Trotzdem definiert Extinction Rebellion drei zentrale übergeordnete Handlungsforderungen, auf die die Aktionen im Einzelnen gerichtet werden.

„Tell the truth“ – „Sagt die Wahrheit“: Die Klimakrise, ihre Auswirkungen und Gefährlichkeit soll in ihrer Gesamtheit wahrheitsgemäß vermittelt werden.

„Act now“ – „Handelt jetzt“: Alle Entscheidungen sollen ab sofort darauf gerichtet sein, das Fortbestehen der Artenvielfalt und Ökosysteme der Erde sicherzustellen.

„Go beyond politics“ – „Politik neu leben“: Die Ausgestaltung des konkreten Handlungsplans, um die Klimakrise abzuwenden, sollen Bürger:innenversammlungen übernehmen.

Extinction Rebellion stellt sich eine Welt vor, in der der Mensch und seine Umwelt achtsam miteinander umgehen und im Einklang mit dieser auf Harmonie gerichteten Beziehung seine Entscheidungen trifft. Die Zukunft soll so gestaltet werden, dass sie inklusiv, fair und gemeinschaftlich ist. Die genaue Beschaffungsweise dieser Welt möchten sie im Miteinander erreichen.

Extinction Rebellions Prinzipien und Werte

Die Bewegung stellt insgesamt zehn Leitlinien für sich auf, die Extinction Rebellion selbst und ihr Handeln definieren soll.

Vision der Veränderung XR sieht es als eine unverzichtbare Aufgabe, die Welt so zu gestalten, dass sie für zukünftige Generationen und Lebewesen ein lebenswertes zu Hause darstellt. Lösungen sollen gemeinsam, solidarisch und auf Grundlage von Respekt aller Lebewesen und der Natur gegenüber sowie unter Beachtung von Gerechtigkeit und Freiheit erarbeitet werden.

Erreichen des Notwendigen Um bestehende Systeme verändern zu können, will Extinction Rebellion die Bevölkerung mobilisieren. Damit wollen sie erreichen, dass eine tatsächliche Teilhabe an politischen Entscheidungen umgesetzt wird. Die Mitbestimmung der Bürger:innen soll durch eine Beteiligung an Entscheidungsprozessen auf allen Ebenen durchgesetzt werden. Genauer soll auch die Wirtschaft dem Wohlergehen aller dienen und nur einen minimalen Schaden von Mensch, Tier und Planet in Kauf nehmen.

Kultur der Regeneration Gemeint ist hier ein fürsorglicher Umgang mit sich selbst, den Mitmenschen und dem Planeten. Die Bestrebung, einen positiven Wandel herbeizuführen, lässt sich nur erreichen, wenn ein nachsichtiges Verhalten auf allen Ebenen zur Gewohnheit wird. Denn die individuelle Handhabung verhält sich in Wechselwirkung zu systematischen Funktionsweisen. Beziehungen untereinander sollen vor allem auf Vertrauen, Respekt und Solidarität beruhen.

Infragestellen des „toxischen System“ Um eine gesunde, anpassungsfähige und belastbare Kultur aufzubauen, muss jedem System, das auf rücksichtslosem Konsum, Ausbeutung von Mensch und Natur, zunehmendem Ressourcenverbrauch und Profitmaximierung basiert, Widerstand entgegengebracht werden. Demokratie, Umwelt und Sozialaspekte soll der Wirtschaft nicht unterliegen, sondern eine Gleichwertigkeit hergestellt werden.

Reflexion Extinction Rebellion setzt es sich zum Ziel, die durchgeführten Aktionen nachzubereiten. Durch einen Kreislauf aus Aktion, Reflexion, Lernen und Planen wollen sie aus Erfahrungen lernen und sich als Bewegung weiterentwickeln.

Willkommen wie du bist Die Klimabewegung Extinction Rebellion positioniert sich klar gegen jegliche Formen von Diskriminierung und Gewalt. Sie erkennen an, dass bestehende Machthierarchien bestimmte Menschengruppen benachteiligen und unterstreichen ihren Anspruch auf Inklusion in der Gesellschaft. Außerdem lädt XR dazu ein, sich mit den eigenen Prägungen und Sozialisation auseinanderzusetzen und sie zusammen reflektierend aufzubrechen.

Hierarchien überwinden Eine Welt, in der es keine hierarchischen Machtstrukturen mehr gibt. Eine Welt, in der jeder Mensch gleich teilhaben kann. Ein Ideal, welches auch innerhalb der Bewegung noch nicht der Realität entspricht. Trotzdem will Extinction Rebellion darauf achten, besonders marginalisierten Menschen Raum und Stimme zu geben und beachtet deswegen für zentrale Aufgaben besonders solche Menschen. Ebenfalls schaffen sie ein System zur Rotation bei wichtigen Positionen, damit sich die Macht bei einer Person gar nicht erst ansammeln kann.

Schuldzuweisungen und Beleidigungen vermeiden Negative Gefühle gehören zum menschlichen Wesen. Aus diesem Grund lädt Extinction Rebellion dazu ein, diese zu zulassen und mit Achtsamkeit und Mitgefühl zu äußern. Auch zwischenmenschliche Fehler sehen sie als Gelegenheit zum Lernen. Es ist deshalb wichtig, sich gegenseitig stets zu zuhören.

Gewaltfreiheit Extinction Rebellion versteht sich selbst als ein gewaltfreies Netzwerk. Gleichzeitig zeigen sie aber auch Verständnis gegenüber jenen, die eine andere Entscheidung treffen, da sie gewaltfreies Handeln als Privileg verstehen, durch das Menschen die Tod, Vertreibung, (Macht-)Missbrauch und Gewalt entgegenstehen, nicht geschützt sind. Die Bewegung selbst jedoch will Gewalt durch bewusste Gewaltfreiheit aufdecken.

Selbstbestimmung und Dezentralität Jede Person und Gruppe darf im Namen von Extinction Rebellion handeln, solange diese im Einklang mit den Werten und Normen der Bewegung ist. Dazu definieren sie auch einen Rebellionskonsens für die Durchführung von Aktionen im Rahmen der Bewegung. Sie begrüßen es, sich Rat einzuholen, aber es gibt keine Pflicht, um Erlaubnis zu fragen. Die Personen und Gruppen tragen lediglich selbst die Verantwortlichkeit für Ergebnis und Reflexion.

In diesem Video fasst Extinction Rebellion Deutschland die Kernpunkte der Klimabewegung nochmals zusammen.

Was bisher geschah…

31 Oktober 2018

Rebellionserklärung, Vereinigtes Königreich

Extinction Rebellion erklärt die Rebellion gegen die britische Regierung.

31 Oktober 2018
15 – 25 April 2019

Rebellion Wave

Von Blockaden bis Poetry Slam auf dem pinken Boot Berta Cáceres, Extinction Rebellion blockiert über eine Woche Teile Londons.

15 – 25 April 2019
13 Juni 2019

Rebellionshandbuch

Extinction Rebellion veröffentlicht ihr Buch „This Is Not A Drill: An Extinction Rebellion Handbook“, das auch im September 2019 in deutscher Sprache als „Wann wenn nicht wir*: Ein Extinction Rebellion Handbuch“ herausgegeben wird.
(Leseprobe)

13 Juni 2019
7 – 19 Oktober 2019

International Rebellion

Zwei Wochen lang finden in über 60 Städten der Welt Extinction Rebellion Protestaktionen statt. Darunter auch #BerlinBlockieren.

7 – 19 Oktober 2019

Extinction Rebellion vor Ort in Darmstadt

Die Ortsgruppe Darmstadt gründete sich im Juni 2019. Neben Die-Ins und Straßenblockaden trägt die Gruppe zur Aufklärung über die Klimakrise in Form von Präsentationen oder Lesungen bei. Auch kreative Straßen-Performances fanden schon statt. Extinction Rebellion ist ebenfalls Teil des “Global Climate Strike”-Bündnisses und solidarisiert sich mit anderen Klima- und Umweltschutzbewegungen wie beispielsweise Fridays for Future. Aktiv planen gerade 15 Mitglieder an bevorstehenden Aktionen.

Das Ziel der Ortsgruppen ist es, in den eigenen Städten möglichst viele Menschen zu mobilisieren. Dazu geben sie Vorträge und planen Aktionen zusammen, um dann gemeinsam mit anderen Gruppen in die Hauptstädte zu gehen und dort die Regierungen zu blockieren. „Das heißt, wenn wir uns als Ortsgruppe sehen, dann sehen wir uns als Motivator, um in die Hauptstadt zu gehen, also in dem Fall Berlin, um dort etwas zu tun“, so Niko Klamm, eines der Mitglieder der Ortsgruppe Darmstadt „und genauso funktioniert eigentlich XR“.

Niko selbst war schon mal bei einer Blockade in Berlin mit dabei. „Man stellt sich das immer so schlimm vor“, erklärt er, dabei gebe es einen großen Unterschied zwischen der Erwartungshaltung und der Wirklichkeit. Von den Blockaden mit Extinction Rebellion erzählt Niko Klamm: „Wir sitzen da, lesen uns Bücher vor, singen zusammen, spielen Brettspiele und kochen füreinander.“ Niko beschreibt die Protestaktionen, die er mit XR in Berlin erlebt hat, als einen seiner „schönsten Erlebnisse im ganzen Leben“.

Erst Mitte August war es zum Beispiel in Frankfurt wieder soweit: Am 13.08. waren XR Darmstadt gemeinsam mit FFF Frankfurt und 15.000 Menschen auf Frankfurts Straßen zum Zentralen Klimastreik (inklusive Blockade des Bankenviertels) unterwegs. Bevor am 24.09. nun der Globale Klimastreik ansteht, ruft XR Darmstadt aktuell gemeinsam mit dem Café Luis, das blumen, dem VCD, dem ADFC, FFF Darmstadt und vielen weiteren zum Darmstädter Park(ing) Day in der Rheinstraße auf!

Mitmachen bei der Rebellion gegen das Aussterben

Das Ortsgruppenmitglied Niko Klamm begrüßt dabei und jederzeit auch gerne interessierte und potenzielle neue Mitglieder. Dafür müsse man auch nicht erst Veganer:in werden. Er habe auch als „autofahrender fleischfressender Partylöwe“ angefangen, aber stehe jetzt ganz wo anders. Solange man kein:e Menschenhasser:in sei, heißt er jede:n erst einmal willkommen, „ob du jetzt bei Lufthansa arbeitest, Kerosin produzierst oder Fleischwürste isst“. Denn Klamm sagt ganz klar: „Du änderst die Welt nicht, indem du dich änderst, du änderst die Welt, indem du die Welt änderst, indem du die Politik änderst.“

Wenn du dabei sein willst: Extinction Rebellion Darmstadt trifft sich jeden dritten Sonntag im Monat zu einem offenen Online-Plenum. Hier kannst du schonmal die Struktur und den Umgang von XR Darmstadt kennenlernen. Danach kannst du immer noch entscheiden, ob du bei Extinction Rebellion mitmachen möchtest, wenn es wieder richtig losgeht.

Die Ortsgruppe Darmstadt führt einen Thriller Dance mit anschließendem Die-In in der Innenstadt durch.
Damit will Extinction Rebellion auf die Toten und Leidtragenden des Klimawandels aufmerksam machen.
XR Darmstadt Logo

Extinction Rebellion Darmstadt

Webseite

Extinction Rebellion Darmstadt in den sozialen Medien:
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darmstadt@extinctionrebellion.de

Bevorstehende Termine der Bewegung:

18.09., 12 – 18 Uhr: Park(ing) Day in der Rheinstraße

24.09., ab 12 Uhr: Globaler Klimastreik mit Fuß- und Raddemo, Start und Ende am Karolinenplatz

Jeden dritten Sonntag im Monat – 18 Uhr: Offenes Online Plenum über Zoom

Weitere Veranstaltungen von XR Darmstadt

Alle Fotos wurden uns von Extinction Rebellion Darmstadt zur Verfügung gestellt.

Du möchtest dich gesellschaftspolitisch engagieren? In unserem Veranstaltungskalender findest du alle aktuellen Termine der Initiativen. Außerdem stellen wir dir in diesen Artikel weitere Bewegungen vor, in denen du dich für deine Mitmenschen und die Umwelt einsetzen kannst:

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